55. Fortbildung der Bayerischen Krebsgesellschaft e.V. für Selbsthilfegruppenleiter/innen in Bayern
26.-28. Juni 2026, Augsburg St. Ulrich
Integrative Onkologie – ganzheitliche Medizin am Beispiel Mammakarzinom
Die integrative Onkologie verfolgt das Ziel, die leitliniengerechte schulmedizinische Krebstherapie durch wissenschaftlich fundierte komplementärmedizinische Maßnahmen sinnvoll zu ergänzen. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht alternative Behandlungsverfahren, sondern die Kombination aus evidenzbasierter Onkologie und unterstützenden naturheilkundlichen Ansätzen, um Nebenwirkungen zu reduzieren, die Lebensqualität zu verbessern und die Therapietreue der Patientinnen und Patienten zu fördern. Moderne Therapieformen wie Chemotherapie, Immuntherapie, zielgerichtete Therapien und Strahlentherapie bilden weiterhin die Grundlage der Tumorbehandlung und werden individuell nach aktuellen Leitlinien eingesetzt. Ergänzend können komplementäre Maßnahmen wie Akupunktur, Akupressur, Kühlung, Bewegung, Achtsamkeitstraining oder ausgewählte naturheilkundliche Verfahren helfen, Beschwerden wie Übelkeit, Haarausfall, Polyneuropathie, Schmerzen oder Mukositis zu lindern. Anhand von Fallbeispielen aus der Behandlung von Brustkrebspatientinnen wurde verdeutlicht, wie diese Maßnahmen bereits ab der Erstdiagnose in den gesamten Behandlungsverlauf integriert werden können. Besonders für die Vorbeugung und Behandlung der chemotherapiebedingten Polyneuropathie bestehen inzwischen gute wissenschaftliche Hinweise auf den Nutzen von Kühlung, Kompression, Akupunktur und Bewegungstherapie. Auch bei Tumorschmerzen wird ein multimodales Behandlungskonzept empfohlen, bei dem medikamentöse Therapien durch Verfahren wie Akupunktur oder Neuraltherapie ergänzt werden können. Darüber hinaus zeigen Studien, dass Achtsamkeitsprogramme sowie regelmäßige körperliche Aktivität Angst, Depression, Fatigue und die Lebensqualität von Brustkrebspatientinnen deutlich verbessern können und moderates Bewegungstraining sogar mit einer günstigeren Prognose assoziiert ist. Insgesamt versteht sich die integrative Onkologie als wissenschaftlich fundiertes Beratungs- und Therapiekonzept, das komplementäre Maßnahmen sicher und leitliniengerecht in den onkologischen Behandlungsablauf integriert und dadurch zu einer ganzheitlichen Versorgung von Krebspatientinnen und Krebspatienten beiträgt.