Brustkrebs Therapie: Was tun bei Brustkrebs?

Brustkrebs Therapie: Was tun bei Brustkrebs?

Übersicht zur Diagnostik und Therapie einschließlich Multi-Gentestverfahren zur Notwendigkeit einer Chemotherapie

Die Diagnose Brustkrebs löst auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts zunächst fast immer massive Angst, Ungewissheit und vielfach Hoffnungslosigkeit aus. Allerdings besteht eine in diesem Umfang nie dagewesene vielversprechende große Anzahl an Therapiemöglichkeiten gegen diesen Krebs. Auch wissen wir immer genauer, wie die Patienten vor allem durch körperliche Aktivität und Nutzung von Selbstheilungskräften eigene nützliche Beiträge zum Therapieerfolg beisteuern können.
Zur körperlichen Aktivität und Aktivierung von Selbstheilungskräften siehe auch die speziellen Texte auf der Homepage der Veramed Klinik.

In vielen Fällen ist heute bei Brustkrebs zum Beispiel keine Chemotherapiebehandlung mehr notwendig. Sollte eine Chemotherapie indiziert sein, ist diese nicht mehr zwangsläufig mit Haarausfall verbunden (siehe hierzu: Haarausfall bei Chemotherapie verhindern).

Nachfolgend werden die diagnostischen und therapeutischen Schritte im Sinne einer Übersicht dargestellt, um Ihnen einen ggfs. ersten Eindruck zur nach bestem Wissen und Können empfohlenen Vorgehensweise bei der Erkrankung Brustkrebs zu ermöglichen.

Zu allen detaillierten Fragen die Sie ggfs. diagnostisch und therapeutisch persönlich betreffen muss selbstverständlich eine umfangreiche und ausführliche ärztliche Beratung erfolgen, welche Ihre besondere Situation einschließt. Das Vorgehen kann in Abhängigkeit von zum Beispiel Ihrem Alter, ggfs. bestehenden weiteren Erkrankungen und anderen Umständen erheblich vom nachfolgend genannten abweichen.

In der Veramed Klinik werden darüber hinaus umfangreiche naturheilkundliche, integrative bzw. ganzheitliche Therapiestrategien in Ergänzung zu den in diesem Text beschriebenen diagnostischen und therapeutischen Schritten angeboten (siehe hierzu die umfangreichen Texte auf dieser Homepage).

Forscher und Wissenschaftler arbeiten seit weit über 20 Jahren erfolgreich daran, die von Brustkrebs betroffene Brust möglichst zu erhalten. Etwa Dreiviertel aller Patientinnen können trotz Brustkrebs ihre Brust behalten wobei nur der Tumor selbst mit einem entsprechenden Sicherheitsabstand herausoperiert werden muss. Vielleicht kann nach weiterer Verbesserung der medikamentösen Behandlungsstrategien irgendwann sogar vollständig auf eine Tumorchirurgie verzichtet werden.

Brustkrebs tritt selten auch bei Männern auf. Leider ist das Wissen um die optimale Behandlungsstrategie bei Männern – aufgrund der Seltenheit des Auftretens – durchaus begrenzter als im Falle der Behandlung von Frauen. Dieses ist beispielsweise auch bezüglich der chirurgischen Operationstechniken von Bedeutung. Auch bei betroffenen Männern wird grundsätzlich ein Brusterhalt mit einem möglich optimalen kosmetischen Ergebnis angestrebt.

In den allermeisten Erkrankungsfällen können erst nach der vollständigen Befunderhebung konkrete Ansagen zur wahrscheinlichen Prognose und zur optimalen Behandlungsstrategie erfolgen. Zur Klärung der vielen nach der Erstdiagnose anstehenden Fragen sind umfangreiche und detaillierte diagnostische Schritte vorzunehmen. Von großer Bedeutung ist es, die Betroffenen und ihre Angehörigen in dieser von großer Angst und Unsicherheit geprägten Phase immer wieder ausführlich über den Sinn und Nutzen der einzelnen Untersuchungsverfahren aufzuklären. Die Schwierigkeit besteht hierbei oft auch darin, dass die Ärztinnen und Ärzte, welche die Diagnostik durchführen (zumeist Radiologen) nicht die späterhin behandelnden Ärztinnen und Ärzte sind.

Fragen Sie gerade deshalb bitte bei Ihren Ärztinnen und Ärzten bei Unklarheiten immer wieder nach! Eine gute Beratung hilft definitiv, die Angst zu mindern und verbessert die Motivation und damit auch den erhofften Behandlungserfolg!

Gerne dürfen Sie sich selbstverständlich auch in der Phase der Diagnostik telefonisch oder per E-Mail unverbindlich bei uns melden.

Der Erfahrung nach zählt diese Phase mit all ihren Unsicherheiten zu der schwersten Phase. Liegen erst einmal alle Daten und eine konkrete Therapieempfehlung vor, ergibt sich meistens eine gewisse innere Entlastung. Unklarheit ist extrem schwer auszuhalten. Menschen können eindeutige Nachrichten, auch wenn diese zunächst negativ oder deprimierend erscheinen, letztlich besser verarbeiten als Unklarheiten.

Anamnese bei Brustkrebs

Die Gefährlichkeit der Brustkrebserkrankung sollte präzise und zügig ermittelt werden. Nur dank vollständiger Diagnoseerhebung sind Aussagen zur Art und zum Umfang der Behandlung möglich. Abgesehen von den weiter unten genannten apparativen Untersuchungen sind eine Reihe von Faktoren bekannt, die das Risiko einer Krebserkrankung und damit die Intensität der möglichen Behandlung mitbestimmen. Hierzu zählt das Alter der oder des Betroffenen zum Zeitpunkt der Diagnosestellung ebenso wie eine etwaige familiäre Krebs- oder Brustkrebsbelastung. Sind unter den Eltern, Großeltern oder Tanten bzw. Onkeln oder Geschwistern andere Familienmitglieder an Krebs oder Brustkrebs erkrankt? Wichtig ist grundsätzlich auch die Tumorgröße zum Zeitpunkt der Diagnosestellung.

Brustkrebs Anamnese

(Bildnachweis: Prostock-studio/shutterstock.com)

Ein kleiner oder schwer tastbarer Knoten könnte theoretisch schon länger vorhanden sein. Wie lange eine Krebserkrankung schon vorhanden ist, wäre eine fraglos wichtige Information. Diese lässt sich aber allenfalls indirekt vermuten. Viele Betroffene tasten den Knoten zunächst selbst und suchen nicht umgehend ärztlichen Rat auf wenngleich dieses extrem hilfreich wäre. Nach heutigem Wissensstand kann ein Tumor erfolgreicher behandelt werden, wenn es sich bei Diagnosesicherung in einem frühen bzw. geringen Stadium befindet. Abgefragt werden sollten auch Fragen zur Lebensführung. Als Risikofaktoren für die Entstehung von Brustkrebs gelten zum Beispiel in jungen Jahren Untergewicht, in höherem Alter Übergewicht sowie Zigarettenrauchen.

Technische Untersuchungen zur Diagnosesicherung und Risikoermittlung bei Brustkrebs

Zur Befunderhebung gehören neben einer ärztlichen Tastuntersuchung auch Sonographie- bzw. evtl. auch Magnettomographie (MRT)-Untersuchungen der Brust und der dazugehörigen Lymphknotenregionen vor allem im Bereich der Achselhöhlen, Röntgen- oder Computertomographie (CT)-Untersuchungen der Lunge, Sonographie- oder Computertomographieuntersuchungen (CT) der Leber, Szintigraphieuntersuchungen des Knochensystems und Blutuntersuchungen. Zumeist wird aus dem verdächtigen Knoten in der Brust eine Gewebeprobe durch eine sogenannte Stanzbiopsie gewonnen. Die Durchführung erfolgt wie alle anderen genannten Untersuchungen auch in der Regel ambulant und in lokaler Anästhesie.

Hormonrezeptorstatus, HER2-Status, Ki-67, BRCA-Status

Die Stanzbiopsie ermöglicht eine erste – wenn auch kleine – Gewebeprobe. Aus dieser lässt sich in den allermeisten Fällen die Diagnose ausschließen oder sichern. Auch kann aus dem kleinen Gewebezylinder bereits eine Aussage zum sogenannten Hormonrezeptorstatus (Östrogen und Progesteron) gewonnen werden. Ein positiver Hormonrezeptorstatus bedingt in der Regel ein geringeres Risiko und eröffnet die Möglichkeit durch eine antihormonelle Therapie Einfluss auf das Krebswachstum zu nehmen. Die antihormonelle Therapie wird bei Frauen vor der Menopause zu früh wie möglich, zumeist aber erst nach einer etwaigen Chemotherapiebehandlung gestartet und erfolgt täglich in Tablettenform (zum Beispiel Tamoxifien oder Aromatasehemmer Letrozol, Anastrozol) bzw. zusätzlich in Form einer meist dreimonatlich zu wiederholenden Depotspritze (sogenanntes Gn-RH Analogon Goserilin). Weiterhin lässt sich aus dem Gewebezylinder der Stanzbiopsie der sogenannte HER2-Status erheben. Prognostisch günstiger ist in der Regel ein negativer HER2-Status. Im Falle eines positiven HER2-Status kann zusätzlich eine Antikörpertherapie mit zumeist Trastuzumab alle drei Wochen als Kurzinfusion (oder auch eine sogenannte duale Antikörperblockade mit Trastuzumab und Pertuzumab, ebenfalls alle drei Wochen als Infusion) angeboten werden. Siehe hierzu auch die entsprechenden Artikel auf der Homepage der Veramed Klinik). Schließlich wird nach der Stanzbiopsie der Wert für eine sogenannten Proliferationsmarker bestimmt. Dieser Wert gibt Auskunft über die Wachstumsdynamik der Tumorzellen zum Zeitpunkt der Gewebeentnahme. Am weitesten verbreitet ist als Marker der Ki-67 Wert. Werte unter 15% bedeuten ein eher geringeres Risiko, Werte um die 25-30% und höher deuten auf ein mittelgradig oder schon hochergradiges Risiko hin.

Sofern die Indikation zu einer Chemotherapie oder zu einer Antikörpertherapie mit Trastuzumab besteht sollte auch eine Sonographieuntersuchung des Herzens (Transthorakale Echokardiographie) durchgeführt werden. Unter einer Chemotherapie mit sogenannten Anthrazyklinen (Epirubicin) oder Trastuzumab (Herceptin®) sollte die Sonographie des Herzens regelmäßig alle 3 Monate wiederholt werden.

Die Gene BRCA1 und BRCA2 sind als unter anderem brustkrebsauslösende Faktoren bekannt. Die Untersuchung stellt einen Gentest dar und darf nur gesonderter Aufklärung in einer molekulargenetischen Sprechstunde durchgeführt werden. Bei vorliegendem Einverständnis kann die Testung aus einer Blutprobe aber auch aus Tumorgewebe vorgenommen werden.

Adjvuante und neoadjuvante Therapiestrategien

Grundsätzlich sind umfangreiche Beratungen und Aufklärungen zur Diagnostik und Therapie ärztlicherseits verpflichtend und müssen auch in schriftlicher für die Betroffenen nachvollziehbarer Form dokumentiert sein. Betroffene sollten sich stets eine eigene Dokumentation zur den erhobenen Befunden, Gesprächen und Therapien anfertigen. Die erhobenen Befunde müssen den Betroffenen spätestens auf Nachfrage ebenso wie die ärztlichen Briefe in Kopie bereitgestellt werden.

Inhaltlich wichtig zu wissen ist, dass nicht nur versucht wird, bei Brustkrebs die Brust zu erhalten. Auch die Therapiestrategie hinsichtlich einer Chemotherapiebehandlung ist grundsätzlich im Vergleich zur Behandlung vor 10 oder 20 Jahren eine andere geworden. Noch immer sind Zyklusbehandlungen notwendig. Eine einzelne Behandlung führt eine Verminderung der Krebslast herbei, reicht aber nicht aus, um die angestrebte möglichst vollständige Eliminierung der Krebsbelastung herbeizuführen. Dieses liegt unter anderem auch darin begründet, dass die Chemotherapie nur auf sich zum Zeitpunkt der Verabreichung gerade teilende Krebszellen wirkt. Sie verhindert die Zellteilung und damit das Krebswachstum. Die Krebszellen teilen sich aber nicht alle gleichzeitig. Je nach Wirkdauer der Therapie ist demzufolge durch jede weitere Verabreichung eine weitere Verminderung der Krebslast zu erhoffen.

Typischerweise werden heute Epirubicin und Cyclophosphamid in 4 Therapiezyklen alle zwei oder drei Wochen und danach Paclitaxel in 12 Therapiezyklen einmal pro Woche verabreicht. In komplizierteren Fällen wird heute häufig auch Epirubicin in drei Therapiezyklen alle zwei Wochen, danach Paclitaxel ebenfalls für drei Therapiezyklen alle zwei Wochen und abschließend Cyclophosphamid nochmals über drei Therapiezyklen wiederum alle zwei Wochen verabreicht.

Diese Angaben sind selbstredend an dieser Stelle nur allgemein informell. Im Einzelfall können gänzlich abweichende medikamentöse Strategien indiziert sein.

Früher wurde in der Regel zunächst die Brust entfernt bzw. späterhin zumindest erstmal der Tumorknoten herausoperiert. Das Vorgehen stellte sicher, dass die Tumorlast zunächst durch den Eingriff ad hoc deutlich gesenkt war. Jedoch war der etwaige Nutzen der Chemotherapie nicht mehr direkt nachweisbar. Erst ein – hoffentlich – langjähriger günstiger Behandlungserfolg sprach für den Nutzen der möglichen Behandlung. Die Chemotherapie hat etwaig vorhandene ggfs. mikroskopisch kleine Tumoranteile oder auch sogenannte Mikrometastasen zerstört oder nicht. Bezüglich des Behandlungserfolges bestand jedoch zunächst Unsicherheit (sogenannte adjuvante, auf Heilung abzielende Chemotherapie).

Heute wird im Indikationsfall meist zuerst die medikamentöse Behandlung und erst danach die chirurgische Tumorentfernung durchgeführt (sogenannte neoadjuvante, auf Heilung abzielende Chemotherapie).

Infolge dieses Vorgehens kann die Wirkung der medikamentösen Behandlung direkt am Tumor durch verlaufsabhängige Sonographie-Untersuchungen überprüft werden. Wenn der Tumor unter der laufenden Behandlung kleiner wird, ist die Fortsetzung der Therapie sinnvoll. Im Zweifelsfall kann die Behandlungsstrategie bei fehlendem Ansprechen der Chemotherapie optimiert werden.

Eine chirurgische Therapie wird dann erst nach der Chemotherapie durchgeführt um auch den ggfs. bildgebend nicht darstellbaren allerletzten Tumorrest zu entfernen. Wenn der Tumorknoten bereits bei Behandlungsbeginn relativ klein oder schwierig zu sehen ist, wird eine Markierung mittels eines Clips durchgeführt. Hierdurch wird sichergestellt, dass die chirurgische Behandlung im Anschluss an die Chemotherapie an der exakt richtigen Stelle erfolgen kann.

Intraportkathersystem (Port)

Sofern die Indikation zur Durchführung einer Chemotherapie gestellt ist – wie gesagt, diese Therapie kann heute recht gut verträglich sein wobei auch der Haarausfall nicht mehr zwingend ist (siehe oben) – ist zum einen ergänzend die Implantation eines sogenannten Intraportkatheters sinnvoll. Hierbei handelt es sich um eine kleine Kammer die in der Regel unterhalb des Schlüsselbeinknochens unter der Haut implantiert wird. Die Kammer wird über einen schmalen zugehörigen Schlauch mit der Vene verbunden, die das Blut vom Arm zum Herzen leitet. Auch verfügt die Portkammer über eine feine Membran, die von außen mittels einer kleinen Spezialnadel angestochen werden kann. Auf diesem Wege können fast beliebig oft recht einfach flüssige Medikamente wie etwa die Chemo- und Antikörpertherapien von außen zugeführt werden. Die Arm- und Handvenen müssen nicht für jede Infusion neu angestochen werden. Die Verabreichung der Medikamente kann schonend und hygienisch sicher durchgeführt werden. Wenn der Port mit einer Infusionsnadel versehen ist, gelten gewisse Einschränkungen bezüglich zum Beispiel Duschen oder Waschen. Ansonsten sind beide Arme und Hände durch den Portkatheter auch während der Infusionen frei. Die allgemeine Beweglichkeit ist kaum eingeschränkt. Sobald die Portnadel nach der Infusionsbehandlung aus dem Katheter entfernt wurde, gibt es so gut wie keine Einschränkungen hinsichtlich Duschen, Waschen, Baden etc. Die Portkammer ist mit circa 1-2cm Durchmesser lediglich unterhalb des Schlüsselbeins tastbar und bei schlanken Menschen eventuell als Vorwölbung – jedoch nur im unbekleideten Zustand - sichtbar. Ein Portkatheter kann – wie die oben genannten Untersuchungen - ambulant und in lokaler Narkose durch eine Gefäßchirurgin oder einen Gefäßchirurgen implantiert werden. Sollte der Port nicht mehr benötigt werden, kann der Portkatheter recht einfach wieder entfernt werden. Extrem wichtig ist die Einhaltung strenger hygienischer Maßnahmen beim Anstechen des Portkathtersystems. Hierüber werden Sie bereits durch den Chirurgen anlässlich der Implantation sowie anlässlich der Benutzung aufgeklärt. Sie können sich bei Fragen zur Indikation und zum Gebrauch von Portkathetersystemen bei uns melden.

 

onkologische experten rot

 

Dieser Artikel über die Brustkrebstherapie wurde verfasst von Dr. med. Martin Müller-Stahl, Ärztlicher Leiter der Veramed-Klinik, Facharzt für Innere- und Allgemeinmedizin, Naturheilverfahren 

 

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