Cannabis und CBD gegen Krebs

Cannabis sativa und Cannbinoide (Hanf und Harze der Hanfpflanze) in der Tumortherapie

Seit vielen Jahren erreichen uns immer wieder Anfragen zum möglichen Nutzen der Verwendung von Cannabis oder Cannabinoiden in der Tumortherapie.

Aktuelle Übersichtsarbeiten von ausgewiesenen Experten geben Auskunft über den derzeitigen Wissensstand.

Unter anderem erschien im September 2017 im Deutschen Ärzteblatt eine Übersicht, die von Spezialisten aus Montreal in Kanada, Saarbrücken, Bonn und Göttingen gemeinsam veröffentlicht wurde (Häuser, W., Fitzcharles, M. A., Radbruch, L., Petzke, F.: Cannabinoide in der Schmerz- und Palliativmedizin. Eine Übersicht systemischer Reviews und prospektiver Beobachtungsstudien. Deutsches Ärzteblatt Int. 2017; 114: 627-34). Die Veröffentlichung berücksichtigt wiederum die Empfehlungen verschiedener internationaler Fachgesellschaften wie zum Beispiel der Pain Palliative and Supportive Care Group der Cochrane Collaboration und des Joanna Briggs Institute zur Durchführung von Umbrella-Reviews und wird nachfolgend zusammengefasst:

Definition Cannabis

Der Name Cannabis (lateinisch: Hanf) stellt für sich einen Sammelbegriff dar. Unter dem Namen Cannabis werden Stoffe aus der weiblichen Hanfpflanze der Gattung Cannabis sativa geführt. Cannabinoide sind eine eigene Gruppe aus über 100 Substanzen, die aus dem Harz der Hanfpflanze gewonnen werden. Am besten bekannt sind das Tetrahydrocannabinol (Abkürzung: THC) und das Cannabidiol (Abkürzung: CBD).

Rezeptierbarkeit und Zulassung

Die Autoren listen auf, dass in Deutschland 14 Sorten von Cannabisblüten rezeptierbar sind die wiederum eine THC-Konzentration zwischen1 und 22% und eine CBD-Konzentration zwischen 0.05 und 9% aufweisen (sogenannter Medizinalhanf). Die im Gesetz festgelegte Verschreibunshöchstmenge liegt bei 100g Cannabis in Form von Blüten unabhängig vom THC-Gehalt pro 30 Tage.

Beachtenswert ist im Zusammenhang mit der Rezeptierbarkeit von Medizinalhanf, dass bei der Zulassung der Verschreibungsfähigkeit in Deutschland die Standards der Europäischen Arzneimittel-Agentur für die Zulassung von Arzneimitteln in der Schmerztherapie nicht hinreichend berücksichtigt wurden. Seit dem 10. März 2017 wurde eine Gesetzänderung rechtskräftig, der zufolge Ärzte für Patienten mit schwerwiegenden Erkrankungen und bei fehlenden Therapiealternativen Cannabinoide zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen als getrocknete Blüten (Medizinalhanf), als standardisierte Extrakte (Dronabinol, THC/CBD-Spray) oder als synthetisch hergestelltes Cannabisanalogon (Nabilon®) verordnen dürfen. Die Bundesärztekammer hatte sich im Vorfeld gegen die Gesetzesänderung ausgesprochen, weil ein wissenschaftlicher Nutzen nicht ausreichend belegt sei. Die Deutsche Schmerzgesellschaft und die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin wiederum begrüßten die Gesetzesänderung aufgrund der resultierenden Erleichterung in der Verschreibung und des Abbaus der Hürden bei der Kostenübernahme seitens der Krankenkassen.

Als THC- bzw. CBD-haltiges Arzneimittel ist seit 2011 ein Mundspray für die mittelschwere und schwere Spastik bei multipler Sklerose zugelassen. Das Spray darf verordnet werden, wenn zuvor keine andere antispastische Therapie geholfen hat. THC-haltige Kapseln und ein Öl sind arzneimittelrechtlich nicht zugelassen. Die Kapseln und das Öl können lediglich als Rezepturarzneimittel im Rahmen sogenannter individueller Heilversuche von Ärztinnen und Ärzten verordnet werden. Die empfohlenen Tagesdosierungen liegen zwischen 5 und 30mg.

Weiterhin ist seit Dezember 2016 in Deutschland ein synthetisches THC-Analogon (Nabilon®) zugelassen. Es ist für Patientinnen und Patientin gedacht, die unter laufender Chemotherapie keinen ausreichenden Nutzen in der Anwendung herkömmlicher Antiübelkeitsmittel haben. Die Dosierung wird mit 2-4mg/Tag angegeben. Angesichts der heute breit gestreuten und vergleichsweise sehr guten antiemetischen Therapieoptionen wird das Medikament nur sehr selten benötigt.

Geringer Nutzen von Cannabis oder Cannabinoiden

Grundsätzlich ergibt sich gemäß der Übersichtsarbeit unabhängig vom Nabilon® keine Empfehlung für den Einsatz von Cannabinoiden bei Tumorschmerzen.
Neben Übelkeit und Erbrechen stellen auch Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust bei einer fortgeschrittenen Krebserkrankung keine bevorzugte Indikation zum Einsatz von Cannabis oder Cannabinoiden in der Tumortherapie dar.
Einzig den sogenannten chronisch neuropathischen Schmerzen ist der Einsatz – im Sinne eines individuellen Heilversuches – vorbehalten.
Gewarnt werden muss grundsätzlich auch vor möglichen ernsten Therapienebenwirkungen. Das Auftreten von Benommenheit, Verwirrtheit und auch die Ausbildung oder Verstärkung von Psychosen sind möglich.

Weitere international renommierte Krebsspezialisten bestätigen über die im Deutschen Ärzteblatt erschienene Arbeit hinaus derzeit den geringen Nutzen von Cannabis oder Cannabinoiden in der Tumortherapie. Hierzu zählen auch die Veröffentlichungen von Donald Abrams der in San Francisco am General Hospital in der Abteilung Integrative Onkologie arbeitet und forscht und über einen langjährigen in der klinischen Praxis gewonnenen profunden Erfahrungs- und Wissensschatz zum Thema Cannabis und Cannabinoide verfügt.

Auch er erhält immer wieder Anfragen zur möglichen Wirksamkeit der Substanzen gegen Krebs, kann aber für die vielfach aufgestellten Behauptungen zum denkbaren Nutzen keine aussagekräftigen Beobachtungen, Studien oder Daten finden (Abrams, D. I.: Integrating cannabis into clinical cancer care. Curr. Oncol. 2016 Mar; 23(Suppl.2):S8-S14).

Vielmehr verweist er auf die oben bereits genannten sehr speziellen Indikationen aus dem Bereich der Schmerztherapie und berichtet über gute Akzeptanz der Therapie mit THC/CBD-Spray wobei die Indikation hierfür letztlich auch für ihn eine Ausnahme- bzw. Reservesituation darstellt.

Im Januar 2018 hat Abrams eine zusammenfassende Aktualisierung der therapeutischen Effekte von Cannabis und Cannabinoiden für die National Acadamies of Sciences, Engineering and Medicine veröffentlicht (Abrams, D. I.: The therapeutic effects of Cannabis and cannabinoids: An update from the National Acadamies of Sciences, Engineering and Medicine report. Eur. J. Intern. Med. 2018 Jan 8. pii: S0953-6205 (18) 30003-7). Entstanden ist eine weitreichende Übersicht die eine umfassende systematische Literaturrecherche und eine Analyse von über 10.000 wissenschaftlichen Arbeiten zum Thema einschließt. Zum Themenbereich Krebstherapie erscheinen der Arbeit zufolge lediglich die Bereiche Übelkeit und Erbrechen nach Chemotherapie (als Reservemedikament) und neuropathische Schmerzen (ebenfalls im Sinne einer Reserve bei Versagen der herkömmlichen Schmerzmitteltherapie) interessant. Für eigenständige Antitumor-Effekte bzw. eine Verwendung von Cannabis oder Cannabinoiden als eigenständige Tumortherapie findet sich auch hier kein ausreichender Beleg.

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