Gut genährte Krebspatienten vertragen die Chemotherapie besser

Schwerpunkt Ernährungsmedizin in der Tumortherapie

Der Schwerpunkt Ernährungsmedizin repräsentiert einen wesentlichen Baustein im integrativen, vorwiegend supportiv ausgerichteten Behandlungskonzept der Klinik.

50% der Tumorpatienten haben bereits zum Zeitpunkt der Diagnosestellung einer Krebserkrankung einen ungewollten Gewichtsverlust. Mehr als 45% aller onkologischen Patienten verlieren beim ersten stationären Krankenhausaufenthalt mehr als 10% des Ausgangsgewichts. (Albrecht 1996, De Wys 1980, Müller 1991, Selberg 1992, Toomey 1995)

Ernährung bei Krebs

Die Ursachen für die Mangelernährung bei Tumorpatienten sind vielfältig. Einerseits führen externe, zum Teil behandlungsbedingte Faktoren zu einer verminderten Energie- und Nährstoffaufnahme, andererseits unterstützen körpereigene, mit der Tumorkrankheit einhergehende Veränderungen den Gewichtsverlust auf Kosten des subkutanen Fettgewebes und der Muskulatur. Die Mangelversorgung mit Makronährstoffen geht in der Regel einher mit einer Mangelversorgung im Bereich kritischer Mikronährstoffe mit geringer Speicherkapazität im Körper. Durch die begleitende cytoreduktive Therapie besteht meistens ein erhöhter Verbrauch und Bedarf an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen.

Gut genährte Krebspatienten vertragen die Chemotherapie besser (Ärztezeitung für Onkologen und Hämatologen, November 2012, Nr. 7, 1).

Ernährungsmedizinische Untersuchungen auf Station

Bei allen Patienten werden bei Aufnahme und im Verlauf regelmäßig ernährungsmedizinische Untersuchungen vorgenommen. Hierzu zählt auch die Bioelektrische Impedanzanalyse (BIA). Diese Untersuchung ist für die Patienten einfach und komplikationslos durchführbar. Die Messung erlaubt eine wissenschaftlich anerkannte Aussage zur Körperzusammensetzung des Menschen, insbesondere Muskelmasse, Fett- und Körperwasseranteil. Die Messergebnisse werden für eine präzise und individuelle Ernährungsberatung und Ernährungstherapie genutzt.

Interventionelle Ernährungstherapie

Eine sorgfältige ernährungsmedizinische Intervention berücksichtigt neben der ausreichenden Bereitstellung von geeigneten Makronährstoffen den erhöhten Bedarf an Mikronährstoffen. Im Bereich der interventionellen Ernährungstherapie wird versucht, die metabolischen Möglichkeiten der Peripherie des menschlichen Körpers, ohne eine Stimulation des Tumorwachstums, zu nutzen. Ziele der Therapie und der vorgeschalteten modernen Diagnostik sind eine möglichst frühe Vermeidung der Tumorkachexie und ein Erreichen oder mindestens ein Erhalten eines adäquaten Ernährungszustandes. Diese Vorgehensweise ist auch ein wesentlicher Bestandteil eines modernen Fatigue-Managements, das die vielfältigen Dimensionen dieses Symptomkomplexes berücksichtigt.

Einsatz der Ernährungsmedizin

Die Ernährungsmedizin in der Tumortherapie wird in unterschiedlichen Situationen mit verschiedenen Zielen eingesetzt. Die präventive Ernährungsberatung für kurativ behandelte, tumorfreie Patienten ist ein wichtiges Instrument in der Prävention und der Rezidivprophylaxe nach Primärtherapie. In dieser Situation wird angestrebt, durch verständliche, patientennahe und umsetzbare Informationen eine gesündere Ernährungsweise, und damit häufig auch eine gesündere Lebensweise, zu verwirklichen.

Gute Therapieverträglichkeit

Ernährung KrebsUnstrittig ist, dass die Verträglichkeit der Therapie aber auch die Lebensqualität und die Lebensdauer bei Krebserkrankungen durch einen guten Ernährungsstatus erheblich verbessert werden können (Soubeyran, P. et al.: Journal of Clinical Oncology, 20.Mai 2012; 30 (15), 1829-1834).
Die Klinik ist spezialisiert für die Durchführung von parenteraler Ernährung einschließlich Überleitung der Ernährungskonzepte in die häusliche Versorgung.
In der Veramed-Klinik werden die Patienten darüber hinaus ermutigt, sich auf neue Erfahrungen einzulassen und die Krebserkrankung auch in Bezug auf ihre Ernährung als eine Chance zu nutzen, das Leben angenehmer zu gestalten.
Im Speisesaal stehen täglich verschiedene Auswahlessen bereit, wobei nach persönlichem Geschmack eine vegetarische Ernährung ebenso möglich ist wie eine vollwertige Aufbaukost.

Klinikküche

Die Klinik verfügt über eine eigene Küche. Die Speisen werden hier täglich frisch zubereitet wobei saisonalen und regionalen Produkten im Einkauf bzw. in der Zubereitung der Vorzug gegeben wird.
Individuelle Wünsche bzw. spezielle Diätformen können in der Regel – sofern medizinisch sinnvoll - berücksichtigt werden. Der Chefkoch steht den Patienten hierfür in Rücksprache mit den behandelnden Ärzten persönlich zur Verfügung.

Therapeutisches Fasten zur Verminderung von Chemotherapienebenwirkungen

Fasten in einem Zeitraum von knapp zwei Tagen vor und einem Tag nach der Chemotherapie kann sich positiv auf die Wirksamkeit einer Chemotherapie auswirken.
Selbstredend kommt das Fasten nur für Patientinnen und Patienten in Frage, die nicht unter Auszehrung (Tumorkachexie) leiden. Auch erfolgt das Fasten unter enger ärztlicher Aufsicht und pflegerischer Begleitung. Erforderlich ist vorab eine strenge ärztliche Indikationsprüfung. Von der Durchführung in Eigenregie ist dringend abzuraten. Für viele Krebskranke kommt diese Therapieform definitiv nicht in Frage.

Ernährung bei Krebs in der Veramed-KlinikWirkung des Fastens

Wissenschaftliche Studien deuten allerdings an, dass die Kombination aus Fasten und Chemotherapie für Krebskranke nützlicher sein könnte, als die Durchführung der Chemotherapie alleine.
Seit einigen Jahren werden in der Veramed-Klinik ausgewählte Chemotherapiebehandlungen im Fastenmodus durchgeführt. Die Erfahrung zeigt, dass Therapienebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit aber auch Antriebslosigkeit und Schlafstörungen seltener oder in geringerem Umfang auftreten. Patientinnen und Patienten die sich einmal entschieden haben, ihre Chemotherapiebehandlung im Fastenmodus durchzuführen, bevorzugen aufgrund der besseren Verträglichkeit in aller Regel weitere Behandlungen ebenfalls fastend in Anspruch zu nehmen.
Die Patientinnen und Patienten berichten dass, sie sich „leichter und stärker“ fühlen und die Chemotherapie sie weniger belaste.
Wir weisen nochmals ausdrücklich darauf hin, dass die Indikation zur Durchführung der Chemotherapie im Fastenmodus sehr sorgfältig getroffen wird und eine ausführliche und eingehende Beratung vorab und während der Behandlung zwingend notwendig ist.

Erklärungsansätze zur Wirkweise

Vorreiter in der Forschung zu dieser Thematik ist der Biogerontologe und Zellbiologe Professor Valter Longo, Davis School of Gerontology, University of Southern California, USA.
Sein Forscherteam in Californien konnte zeigen, dass das Fasten unter Anleitung weitgehend ungefährlich ist. Erste Erklärungsansätze zur Wirkweise liegen vor.
Gesunde Zellen fallen infolge des Fastens in einen Nährstoffmangel. Sie schalten daraufhin in einen Energiesparmodus um.

Ernährung bei Krebs VeramedDiese Umschaltung wird in den Krebszellen durch krankheitsbedingte Gegenspieler, sogenannten Onkogene verhindert. Die Krebszellen erhalten hierdurch die Möglichkeit zu ungebremstem Wachstum. Die Krebszellen können sogar dann weiter wachsen und sich ungehemmt vermehren, wenn dem Körper von außen keine Nahrung zugeführt wird. Die Gier nach Wachstum und zahlloser Vermehrung kann für die Krebszellen laut Professor Valter Longo zu deren Erschöpfung führen. Bösartige Tumorzellen können im Fastenmodus an den Folgen der überschießenden Kompensation des Nährstoffmangels zu Grunde gehen. Studien zu dieser Thematik werden auch der Abteilung für Naturheilkunde der Charité, Berlin durchgeführt. Auch dort wurde das Fasten bei krebskranken Frauen während der Chemotherapiebehandlung wissenschaftlich untersucht.
Siehe hierzu auch:
http://fasten.tv/de/

Kurzzeitiges medizinisch angeleitetes Fasten scheint, sofern vorab ärztlicherseits Kontraindikationen ausgeschlossen wurden, Schädigungen des Immunsystems vorzubeugen und auch die Erholung bei Immunschwäche zu unterstützen.
Die Ärzte der Veramed-Klinik verfügen über mehrjährige Erfahrungen im Einsatz des kurzzeitigen Fastens vor, während und nach der Chemotherapiebehandlung.

Longo, V. D., Brandhorst, S.: Fasting and caloric restriction in cancer prevention und treatment. Recent Results Cancer Res., 2016; 207: 241-266
Dorff, T. B. et al: Safety and feasibility of fasting in combination with platinum-based chemotherapie. BMC Cancer 2016 Jun 10, 16: 360
Safie, F. M. et al: Fasting enhances the response of glioma to chemo- and radiotherapy
Safdie, F. M. et al: Fasting and cancer treatment in humans: A case series repot. Aging (Albany NY), 2009 Dec. 31; 1 (12): 988-1007

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