Haarausfall bei Chemotherapie wirksam vermindern

Haarverlust bei Chemotherapie kann vermindert oder verhindert werden!

Haarausfall bei Chemo vermindern

 

Erhebliche Verbesserung der Lebensqualität durch wirksame Anwendung von Kopfhautkühlsystemen  

Der Haarverlust stellt eine der am meisten gefürchtetsten unerwünschten Nebenwirkungen der Chemotherapiebehandlung dar. Zum Glück führen nicht alle Chemotherapiemedikamente zum Haarausfall. Oft kommt es auch nur zu einem teilweisen Haarverlust. Insbesondere Chemotherapien, welche die sogenannten Taxane (Paclitaxel, Docetaxel) und Anthrazycline (Epirubicin) enthalten, führen jedoch im Rahmen der Behandlung in der Regel zu einem erheblichen bzw. vollständigen Verlust der Kopfhaare.

Die genannten Medikamente greifen leider unerwünschter Weise nicht nur die sich teilenden Krebszellen, sondern auch die gesunden Zellen der  Haarfollikel in der Kopfhaut an. Diese Zellen gehören wie zum Beispiel auch die weißen Blutkörperchen  (Leukozyten) zu den sich schnell teilenden Zellen die sich ständig im Stadium relativ schnellen Wachstums befinden.

Alle sich schnell teilenden Zellen leiden unter einer Chemotherapie mit zum Beispiel Epirubicin. Die Haarwurzelzellen verkümmern unter der Therapie wodurch der Haarschaft geschwächt wird und schließlich bricht. Die Haare fallen aus.

Frisuren, Perücken und Kopftücher

Viele Patientinnen und Patienten lassen sich deshalb schon im Vorfeld der Behandlung Kurzhaarfrisuren schneiden bzw. lassen dann im weiteren Verlauf die Haare komplett rasieren, um den oft rapiden und extrem ernüchternden Vorgang des Haarausfalls nicht tageweise nach und nach ertragen zu müssen.  

Die allermeisten Patientinnen und immer mehr Patienten statten sich mit Perücken aus, wobei eine hochqualifizierte Beratung bei der Auswahl und im Umgang erforderlich ist. Die Krankenkassen bezuschussen den Perückenkauf, wobei für die hochqualitativen teuren Echthaarperücken (ab 800 bis ca.  1.800 Euro) zumeist erhebliche selbst zu tragende Zusatzkosten entstehen.

Immer mehr Patientinnen und Patienten greifen auch auf den Einsatz anderer Kopfbedeckungen zurück, wobei derzeit vor allem das Tragen von Kopftüchern modern ist.

Studien und Erkenntnisse

Seit den 1970er Jahren werden Versuche unternommen, den Verlust des Kopfhaares unter Chemotherapiebehandlung zu verhindern. Seit etwa 10 Jahren gibt es zu dieser wichtigen Thematik endlich berechtigte Hoffnung.  Die Kühlung der Kopfhaut auf weniger als 19°C für die Dauer von etwa 30 Minuten vor, während und etwa 45-180 Minuten nach der Chemotherapiedurchführung stellt eine effektive Präventionsmaßnahme dar. Eingesetzt werden zur Kühlung spezielle Hauben mit Kühlgelen oder mit einem sensorkontrollierten Kühlmitteldurchfluss. Die Hauben müssen der behaarten Kopfhaut möglichst passgenau eng anliegen damit die Kühlung effektiv wirken kann.

Zahlreiche Studien in unter anderem mehreren europäischen Ländern und den USA konnten zeigen,  dass 50-75% der Patientinnen einen deutlichen Nutzen von der Kopfhautkühlung haben. Ungefähr ein Viertel erleidet sogar keinen nennenswerten Haarausfall. Bei etwa der Hälfte bleibt der Haarausfall in einem für Außenstehende nicht direkt erkennbaren Rahmen, wodurch zum Beispiel  das Tragen einer Perücke nicht zwingend wird.  Bei etwa einem Viertel ergibt sich laut Datenlage leider auch trotz der Anwendung von Kopfhautkühlung unter der Chemotherapie ein erheblicher oder vollständiger Haarausfall.

Nach neueren Erkenntnissen spielen das Alter, die Haar- bzw. Haarwurzeldichte, andere Krankheiten und andere Umstände wie Begleiterkrankungen und andere noch nicht näher bekannte Effekte eine Rolle hinsichtlich der Wirksamkeit präventiver Maßnahmen.

Es darf aber stark vermutet werden, dass auch die Patientinnen und Patienten, die trotz der Anwendung von Kopfhautkühlsystemen einen erheblichen oder vollständigen Haarverlust erleiden, einen Nutzen davontragen. Die eigenen Haare wachsen nach Beendigung der Chemotherapiebehandlung offenbar schneller und vollständiger wieder nach als dieses ohne Durchführung der therapiebegleitenden Kopfhautkühlung der Fall wäre.

Wirksamkeit der Kopfhautkühlung

Eine sichere Wirksamkeit kann hinsichtlich der Kopfhautkühlung nicht versprochen werden. Aber die an Zahl und Umfang in den letzten 3-5 Jahren deutlich zunehmende wissenschaftlichen Studien und  praktischen Erfahrungen stimmen sehr ermutigend. Wichtig ist, dass die Kopfhautkühlung von der ersten Chemotherapiebehandlung an konsequent durchgeführt wird.

Die Anwendung der Kopfhautkühlung wird überdies durchaus gut toleriert. Die Kühlung auf 19°C wird zumeist als recht erträglich beschrieben. Kopfschmerzen und Schwindel treten eher selten auf.  Therapieabbrüche sind ebenfalls sehr selten. Zusätzliche unerwünschte Therapienebenwirkungen sind nach heutigem Erkenntnisstand nicht zu befürchten. Die Wirkung der Chemotherapie wird durch die Kopfhautkühlung laut umfangreicher Datenlage und Erfahrung nicht beeinträchtigt.  

 

Die amerikanische Food and Drug Administration hat die Kopfhautkühlung begleitend zur Durchführung von Haarausfall provozierenden Chemotherapien im Februar 2016 zur Anwendung empfohlen. Erstaunlich ist, dass die Kopfhautkühlung trotz der vorliegenden erfreulichen Erkenntnisse und Erfahrungen in den onkologischen Behandlungszentren in Deutschland kaum angeboten und eingesetzt  wird. Viele in der Krebstherapie tätige Ärztinnen und Ärzte lehnen den Einsatz aus schwerlich nachvollziehbaren Gründen ab.

Zu Chemotherapiebehandlungen, die mit großer Wahrscheinlichkeit zum Haarverlust führen, wird in der Veramed-Klinik eine gut tolerierbare Kühlung der Kopfhaut angeboten.  

Das ganzheitlich ausgerichtete integrative Therapiekonzept erfährt dadurch im Bereich der Prävention von Therapienebenwirkungen eine weitere wesentliche Bereicherung.  

Der Haarverlust kann durch das Verfahren aus den oben genannten Gründen leider nicht bei allen Patientinnen und Patienten sicher verhindert werden. Aber auch ein verringerter Haarausfall und/oder ein schnelleres Nachwachsen der eigenen Haare nach Beendigung der Chemotherapie spricht für einen Therapieversuch mittels Kopfhautkühlung.

 

Studien zum Nachweis der Wirksamkeit von Kopfhautkühlsystemen:

De Vries, N. F., Anderson, O. K.. Scalp cooling as a method of avoiding alopecia in cancer patients  receiving chemotherapy. Presented at ECCO 11 Lisbon 2011  

Kurbacher, C. M. et al: Sensor-controlled cooling to prevent chemotherapy-induced alopecia in women  Treated for either breast or female genital tract cancer: A german experience using the Paxman system. ASCO Annual Meeting, June 3-7, 2016, Abstract 10118  

Massey C. S.: A multicentre study to determine the efficacy and patient acceptability of the Paxman Scalp  Cooler to prevent hair loss in patients receiving chemotherapy. Eur J Oncol Nurs. 2004, 8(2):121-130.  

Rugo, S. H. et al: Clinical performance of the DigniCap System, a scalp hypothermia system, in  preventing chemotherapy induced alopecia ASCO Annual Meeting 2016, Abstract 9518  

van den Hurk, C. J. et al: Scalp cooling for hair preservation and associated characteristics in 1411  chemotherapy patients – results of the Dutch Scalp Cooling Registry. Acta Oncol. 51(4):497-504.  

Young, A, Arif, A.: The use of scalp cooling for chemotherapy-induced hair loss. Br J Nurs. 2016 May 26- Jun 8;25(19):S22, S24-7.

Zulassung des Verfahrens durch durch die US-amerikanischen Food and Drug Administration  (FDA):

Departmend of Health and Human Services. Food and Drug Administration. 21 CFR Part 878, Docket no.  FDA-2016-N-0237. Medical devices; General and Plastic surgery devices; Classification of the scalp  cooling system to reduce the likelihood of chemotherapy-induced alopecia. Federal Register, Vol. 81, No.  29, Friday, February 12, 2016, Rules and Regulations.  

Studien zur Sicherheit der Kopfhautkühlung (Auswahl):

Belum, V. R. et al: Cold terminal injury from cold caps used for the prevention of chemotherapy-induced  Alopecia. Breast Cancer Res Treat. 2016 Jun;157(2):395-400  

van den Hurk, C. J., et al:Scalp cooling to prevent alopecia after chemotherapy can be considered safe  in patients with breast cancer. Breast. 2013 Oct;22(5):1001-4  

Studie zur optimalen Kühltemperatur (Auswahl):

Komen, M. M. et al: Results of scalp cooling during anthracycline containing chemotherapy depend on  scalp temperature. Breast. 2016 Dec;30:105-110.  

Studie zum Vergleich unterschiedlicher Kühlsysteme (Auswahl):

Betticher D. C. et al: Efficacy and tolerability of two scalp cooling systems for the prevention of alopecia  associated with docetaxel treatment. Support Care Cancer. 2013

Weitere Studien zu differenzierten Fragen betreffend den Nutzen bei unterschiedlichen  Chemotherapien sowie anderen Haarausfall beeinflussenden Faktoren wie Patientenalter,  Comorbiditäten, Begleitmedikation, Zigarettenrauchen oder Haardichte (Auswahl):

Cigler, T. et al: Efficacy of scalp cooling in preventing chemotherapy-induced alopecia in breast cancer  Patients receiving Docetaxel and Cyclophosphamide chemotherapy. Clin Breast Cancer. 2015  Oct;15(5):332-4

Fehr, M. K. et al: Sensor-controlled scalp cooling to prevent chemotherapy-induced alopecia in female  cancer patients. Curr Oncol. 2016 Dec;23(6):e576-e582  

Friedrichs, K., Carstensen, M. H.: Successful reduction of alopecia induced by anthracycline and taxane  containing adjuvant chemotherapy in breast cancer – clinical evaluation of sensor-controlled scalp  cooling. SpringerPlus 2014, 3:500  

Schaffrin-Nabe, D. et al: Hair-mass-index (HMI) as indicator for the efficacy of scalp colling (SC) and the  associated quality of life (EORTC QLQ C30). J Clin Oncol. 34, 2016(suppl; abstr. E21692)  

Schaffrin-Nabe, D. et al: The influence of various parameters on the success of the sensor-controlled  scalp cooling in preventing chemotherapy-induced alopecia. Oncol Res Treat. 2015;38:489-495Sep;21(9):2565-73.

 

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