Hyperthermie

Regionale kapazitive Radiofrequenzhyperthermie
- Überwärmungstherapie

Hyperthermie – regionale Tiefenhyperthermie
– Oncothermie®

Hyperthermie KlinikIm Bereich der inneren Medizin und ganz speziell in der Onkologie versteht man unter dem Begriff Hyperthermie den gezielten therapeutischen Einsatz von Wärme zur Zerstörung von Tumorzellen. Man kann die verschiedenen Hyperthermieformen nach dem eingesetzten Temperaturbereich, der zu therapierenden Körperregion und nach den unterschiedlichen technischen Umsetzungen unterscheiden:

  • regionale Tiefenhyperthermie
  • mit kapazitiven Elektroden (Oncothermie®)

In der Veramed-Klinik wird ausschließlich die regionale Tiefenhyperthermie nach dem Prinzip der Oncothermie® eingesetzt. Bei dieser Variante der regionalen Tiefenhyperthermie wird die Region der Tumormanifestation durch den Einsatz spezieller Applikatoren (Elektroden) unter Verwendung einer geeigneten Frequenz im Radiofrequenzbereich (13,5 MHZ) und eines daran gekoppelten elektrischen Feldes gezielt überwärmt. Im Gegen­satz zu normalen Körperzellen besitzen Tumor­zellen eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Temperaturen um 42,2° C. Gesunde normale Zellen können sich durch spezielle zelleigene Schutzsysteme, den Hitzeschockproteinen (HSP), schützen und werden durch Radiofrequenzhyperthermie nicht geschädigt. Daraus ergeben sich vielfältige Einsatzmöglichkeiten, so z.B. auch bei Tumoren oder Metastasen in komplexen Strukturen und Lokalisationen, wie z.B. im Gehirn oder Rückenmark.

Nach heutigem Wissensstand wird die zerstörende ­Wirkung auf Tumorzellen durch das Zusammenspielverschiedener Effekte ausgelöst:

  • thermischer Effekt um 42,5° C
  • Steigerung der Wirkung verschiedener ­Zytostatika
  • bessere Erkennung der Tumorzellen durch Immunzellen
  • Auswirkungen auf die tumoreigene Gefäßneubildung (antiangiogenetischer Effekt)

Die hier beschriebene regionale Tiefenhyperthermie kann sehr effektiv mit anderen onkologischen Behandlungsformen kombiniert werden:

  • Chemotherapie
  • Strahlentherapie
  • Protonentherapie
  • Therapie mit monoklonalen Antikörpern (targed therapy)

Serielle lokale bzw. regionale Radiofrequenztiefenhyperthermie  

Was ist Hyperthermie?

Das Wort Hyperthermie stammt aus dem Griechischen und bedeutet Überwärmung. Die Behandlung mit Wärme ist eine traditionelle Heilmethode, die bereits in 5000 Jahre alten Schriften aus Ägypten erwähnt wird. Der griechische Arzt Hippokrates setzte Wärme möglicherweise gezielt zur Behandlung von Brusttumoren ein.  Seit etwa 100 Jahren versucht die moderne Medizin, durch gezielte Wärmeanwendung Krebspatienten zu helfen. Grundlage für den Einsatz war ursprünglich die Beobachtung, dass das spontane Auftreten von Fieber bei einigen Patienten mit bösartigem Krebs, den Verlauf der Krebserkrankung günstig beeinflusste. Tatsächlich sind die Effekte der Wärme zum Teil den Effekten von Fieber ähnlich. Unterschieden werden zahlreiche Formen und Techniken der Hyperthermie.  
Bei der aktiven Hyperthermie soll der Körper nach einer Injektion von fieberauslösenden Substanzen selbst die Temperatur erhöhen. Bei der passiven Hyperthermie erfolgt die Temperaturerhöhung infolge eines Wärmereizes von außen. Bei der passiven, durch Geräteeinsatz vermittelten Wärmetherapie, wird wiederum zwischen der lokalen Überwärmung und der Ganzkörperüberwärmung unterschieden. Wenn die lokale Überwärmung eine ganze Region wie zum Beispiel die Leber einschließt und nicht nur eine Behandlung an der Oberfläche, wird von regionaler Tiefenhyperthermie gesprochen. 

Die Forschungen zur Hyperthermie werden immer umfangreicher. Siehe hierzu auch auf den Seiten der Deutschen Krebsgesellschaft bzw. der Interdisziplinären Arbeitsgruppe Hyperthermie. Dennoch stellt die Überwärmung allein kein ausreichendes Verfahren zur Krebsbehandlung dar. Auch in der Kombination mit zum Beispiel Chemotherapie oder Strahlentherapie handelt es sich nach heutigem Wissensstand nicht um ein Standardverfahren sondern lediglich um ein ergänzendes Therapieverfahren.  Siehe hierzu auch die Hinweise der Deutschen Krebsgesellschaft unter www.krebsinformationsdienst.de/behandlung/hyperthermie). 

Insbesondere bei fortgeschrittenen oder metastasierten Krebserkrankungen gibt es heute keine sicher zur Heilung führende Behandlungsstrategie.  
Wir denken daher, dass nichts unversucht bleiben sollte, um Ihren Behandlungsweg zu optimieren. Allerdings sind wir ebenso aufgefordert, Sie vor Scharlatanerie zu schützen.
Eingebettet in unser ganzheitlich ausgerichtetes Therapiekonzept, welches die Durchführung der sogenannten leitliniengerechten Standardverfahren wie Chemo- oder Strahlentherapie aber auch den Einsatz wissenschaftlich ausreichend belegter komplementärer Therapieverfahren einschließt, bieten wir auch die nebenwirkungsarme lokale bzw. regionale Tiefenhyperthermie an.

Der Stellenwert der Hyperthermie wird in diesem Sinne unter anderem an folgenden Stellen dargestellt und gewürdigt:
Atzelsberg Reseach Group der interdisziplinären Arbeitsgruppe Hyperthermie (IAH), Bruggmoser, G. et al: Leitlinie für die klinische Applikation, die Dokumentation und die Analyse klinischer Studien bei der regionalen Tiefenhyperthermie. Strahlentherapie und Onkologie 2012. 188(2 Suppl.): 198-211.
Hegyi, G.: Oncothermia: A new paradigm and promising method in cancer therapies. Leitlinien in der Onkologie: Hyperthermie in Verbindung mit Radiotherapie. Koordinater Prof. Dr. P. Wust, Berlin, November 2010. Lindner, LH, Issels RD: Stellenwert der Hyperthermie im Rahmen der medikamentösen Tumortherapie. Onkologe 2010; 16(11):1063-1071.
Palazzi, M. et al: The role of hyperthermia in the battle against cancer. Tumori. 2010 Nov-Dec; 96(6):902-10.
Rao, W. et al: A review of hyperthermia combined with radiotherapy/chemotherapy on malignent tumors. Crit.
Rev. Biomed Eng. 2010;38(1):101-16.
Publikationen und Homepage der Deutschen Gesellschaft für Hyperthermie: http://www.dght-ev.de

Funktionsweise der lokalen bzw. regionalen Radiofrequenzhyperthermie

Die lokale bzw. regionale Tiefenhyperthermie erfolgt mittels Radiofrequenzen wobei in der Veramed-Klinik Geräte der Firma Oncotherm genutzt werden. Die Firma wurde 1988 von Prof. Dr. András Százs in Budapest gegründet. Die Überwärmungsmethode wird auch als Oncothermie bezeichnet. Das Verfahren wird weltweit bei über 100.000 Patienten pro Jahr mit verschiedenen Tumorerkrankungen eingesetzt.  
Die Oncothermie ermöglicht nicht nur die Tiefenerwärmung. Sie koppelt die Tiefenerwärmung mit dem Einsatz eines sogenannten modulierten elektrischen Feldes mit einer Trägerfrequenz von 13.56 MHz. Mit Hilfe von zwei aktiven Elektroden wird ein elektrisches Feld erzeugt, welches den Körper durchströmt. Dieses Feld sucht sich im Körper den Weg des geringsten Widerstandes.  
Das bösartige Tumorgewebe besitzt eine höhere Leitfähigkeit als das gesunde Körpergewebe. Somit durchströmt das elektrische Feld den Tumor am stärksten. Wir sprechen daher von kapazitiver Koppelung. Die Oncothermie beansprucht für sich somit einen gegen die bösartigen Zellen gerichteten selektiven Nutzen. Weiterhin bilden sich unter der Anwendung Zellverbindungen (E-Cadherin und ß-Catenin-Verbindungen) welche den natürlichen Zelltod der Krebszellen (Apoptose) begünstigen sollen.  
Die Behandlung erzeugt also nicht nur Wärme, sondern beeinflusst auch das Immunsystem in nützlicher Weise.

Die am Gerät ablesbare Temperatur entspricht nicht der Temperatur im Tumor. Die faktische Temperatur im Tumor wird nicht gemessen.  
Erforderlich ist in der Regel nicht nur eine einzelne, sondern eine Reihe bzw. Serie von Behandlungen. Aus diesem Grund wird von der seriellen lokalen bzw. regionalen Radiofrequenztiefenhyperthermie gesprochen.

Kontraindikationen gegen die Hyperthermiebehandlung

Trägerinnen und Träger von Herzschrittmachern dürfen nicht behandelt werden. Ebenso dürfen Trägerinnen und Träger von bestimmten Metallimplantaten nicht behandelt werden.  
Nicht behandelt werden dürfen Sie, wenn Sie Implantate aus metallischem Blei tragen oder wenn bei Ihnen eine chipgesteuerte tiefe Hirnstimulation (DBS) oder Hörgeräte implantiert oder andere funktionsstimulierende Implantate eingesetzt worden sind.
Bitte weisen Sie die Ärztinnen und Ärzte bereits im Aufnahmegespräch oder bei den Visiten auf etwaig vorhandene Herzschrittmacher oder vorhandene Implantate hin. Silikonimplantate in der Brust stellen eine Kontraindikation zur Behandlung im Brustbereich dar.
Ein implantiertes Portkathetersystem stört die Behandlung nicht.
Offene Wunden oder noch nicht abgeheilte frische Operationsnarben dürfen nicht behandelt werden. Dieses gilt auch für transplantierte Organe. Schwangere dürfen nicht behandelt werden. Bei Neigung zu Epilepsie ist besondere Vorsicht geboten.
Auch bei spontan erhöhter Körpertemperatur oder Fieber bzw. auch Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder Infektionen kann ggfs. keine Hyperthermiebehandlung erfolgen.

Durchführung der Hyperthermiebehandlung  

Über die Indikation zur Behandlung entscheiden ebenso wie über die Position der Elektroden und die Häufigkeit der Behandlungen die behandelnden Ärztinnen und Ärzte.  
Nachdem festgelegt wurde, welche Region mit welcher Häufigkeit und Positionierung behandelt werden soll, erhalten die Patientinnen und Patienten einen Anwendungsplan.  
Die Durchführung der Behandlung erfolgt in einem Wasserbett wobei die Lagerung so bequem wie irgend möglich sein soll. Hierzu erhalten Sie Hilfe und Anleitung seitens der anwesenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.  
Die zu überwärmende Region muss frei von Kleidung sein. Die Behandlungsregion sollte möglichst frei von Körperhaaren sein, weil hierdurch Verbrennungen wahrscheinlicher werden. Gegebenenfalls muss die Behandlungsregion vorab rasiert werden.
Alle metallischen Gegenstände wie zum Beispiel Halsketten, Ringe, Schmuck, Uhren, Münzen, Haarnadeln, Stifte und ähnliches müssen vom Körper entfernt und vor der Behandlung abgelegt werden.

Die Behandlung dauert zwischen 10-60 Minuten und wird in der Regel als angenehm und entspannend empfunden. Während der Behandlung können Sie entspannen, ruhen, schlafen aber auch lesen.
Telefonieren und Musik hören (MP3-Player) ist während der Behandlung nicht möglich.
Sie werden während der gesamten Behandlung beaufsichtigt. Sollten dennoch Probleme auftauchen, können Sie jederzeit mittels einer bereitliegenden Glocke um Hilfe bitten.

Mögliche Nebenwirkungen der Hyperthermiebehandlung

Nur sehr selten berichten Patienten über Erschöpfung und Müdigkeit, die während oder auch nach der Behandlung auftritt. Die Dauer ist in diesen seltenen Fällen zumeist begrenzt. Einige Patienten legen sich deshalb nach der Behandlung bewusst zu einer Ruhepause hin. Grundsätzlich dürfen Sie aber vor und nach der Behandlung körperlich aktiv sein.  

Insbesondere bei der Behandlung in der Leberregion kann es zu Schmerzen im Bereich des Rippenbogens kommen.  
Ebenfalls selten entstehen im Unterhautfettgewebe knotige oder kugelförmige Veränderungen, die Fettgewebsnekrosen genannt werden und harmlos sind.
Bei Patienten die im Rahmen ihrer Krebstherapie bestimmte Chemotherapien mit nervenschädigenden Nebenwirkungen erhalten (zum Beispiel platinhaltige Substanzen oder Taxane), kann die Wärmewahrnehmung eventuell herabgesetzt oder verändert sein.
Alle genannten Nebenwirkungen sind – sofern sie überhaupt auftreten – in der Regel harmlos und bedürfen keiner gesonderten Therapie. 
Sollten die genannten oder andere unerwünschte Nebenwirkungen bei Ihnen auftreten, bitten wir um eine zeitnahe Rückmeldung.

Besonderheiten der Hyperthermiebehandlung bei gleichzeitiger Chemo- und Strahlentherapie

Forschungsarbeiten weisen nach, dass sich für einige Chemotherapeutika durch die Überwärmungstherapie eine Wirkungsverstärkung erzielen lässt. Nachgewiesen werden konnte zum Beispiel eine erhöhte Aufnahme von Cisplatin in Brustkrebszellen (Havemann et al. 2005) und eine gesteigerte Schädigung der DNS von Tumorzellen durch Cisplatin (Rietbroek et al, 1997). Auch konnte gezeigt werden, dass Resistenzen gegen Cisplatin nach Wärmebehandlung teilweise rückgängig waren und die Tumorzellen nach der Wärmetherapie wieder sensibel auf die Cisplatintherapie wurden (Hettinga et al. 1997).
Zur Kombinationstherapie von Gemcitabin und Cisplatin mit Hyperthermie erfolgen weitere Prüfungen in Studien unter anderem im Pankreaszentrum München, Klinikum Großhadern und in der Universitätsklinik Tübingen (HEAT-Studie, HT-09 Studie, siehe auch „Klinische Studien der Hyperthermie“ unter dem Link www.klinikum.uni-muenchen.de/Medizinische-Klinik-und-Poliklinik-III/de/klinik/hyperthermie-start/2_studien/index.html).
Die Verbindung von Wärmebehandlungen und Strahlentherapie ist ebenfalls Gegenstand zahlreicher Untersuchungen.
Siehe hierzu unter anderem Maluta, S. et al: Conformal radiotherapy plus local hyperthermia in patients affectet by locally advanced high risk prostate cancer. Inf. J. Hyperthermia, August 2207;23 (5):451-456 und Ohguri, T. et al: Radiotherapy with 8 MHz radiofreqeuncy-capacitive regional hyperthermia for pain relief of unresectable and recurrent colorectal cancer. Int. J. Hypertheramia. 2006 Feb; 22(1):1-14.

 

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