Strahlentherapie und Hyperthermie in Kombination mit Chemo- oder Antikörpertherapie sowie Einfluss der Hyperthermie auf BRCA2

Oftmals sind bei verschiedenen Krebserkrankungen kombinierte Strahlen- und Chemotherapiebehandlungen indiziert. Auf Nachfrage ist die Durchführung dieser kombinierten Behandlung für Patientinnen und Patienten in der Veramed-Klinik nicht nur bei privatem sondern auch mit gesetzlichem Krankenversicherungsstatus möglich. Im Zweifelsfall kann unter der Telefonnummer 0 80 34- 302 706 hierzu eine präzise Auskunft für den Einzelfall erteilt werden.

Im Falle einer stationären Durchführung der Strahlentherapie erfolgt diese in Kooperation mit dem MVZ für Strahlentherapie und Nuklearmedizin, Rosenheim. Die Zusammenarbeit ist seit über einem Jahrzehnt etabliert und wird von einer engagierten und sehr kollegialen ärztlichen Kooperation getragen. Die Patienten schätzen im MVZ für Strahlentherapie die ausführlichen, eingehenden und in hohem Maße auch empathischen Beratungen. Hervorzuheben ist hierbei unter anderem neben der selbstredend höchsten radiologischen Kompetenz die stets zügige gemeinsame Bearbeitung der Anfragen. Somit ist es möglich, Strahlentherapien in oftmals kurzen Zeiträumen von wenigen Tagen zu planen und einzuleiten. Abgesehen von der räumlichen Nähe stellt das MVZ für Strahlentherapie und Nuklearmedizin in Rosenheim damit einen für die Patienten der Veramed-Klinik sehr wertvollen Behandlungspartner dar.

Die Chemo- und/oder Antikörpertherapien erfolgen im Sinne dieser Zusammenarbeit in der Veramed-Klinik. Die Patientinnen und Patienten werden in der Veramed-Klinik akutstationär aufgenommen wobei begleitende intensivierte psycho-onkologische Therapien, eine physiotherapeutische Remobilisierung oder auch ernährungsmedizinische Zusatzbehandlungen erfolgen können. Die Fahrten in die Strahlenklinik erfolgen zu jeweils fixen in den medizinischen Behandlungsplan integrierten Zeiten durch die Fahrer der Veramed-Klinik.

Nicht nur die Kombination von Chemo- und/oder Antikörpertherapien mit der Strahlentherapie auch die Kombination dieser Therapiemaßnahmen mit der Radiofrequenz-Tiefenhyperthermie kann die Effektivität der Krebsbehandlung verbessern helfen.
Verschiedene Forschungsarbeiten zeigen einen Zusatznutzen für den Einsatz der Radiofrequenz-Tiefenhyperthermie, die im Rahmen der akutstationären Behandlung in der Veramed-Klinik angeboten wird. Beispielsweise konnte in der 2017 veröffentlichen HEATPAC Phase II Studie mittels einer randomisierten Untersuchung gezeigt werden, dass Patientinnen und Patienten mit lokal fortgeschrittenem, nicht operablem Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom) einen zusätzlichen Überlebensvorteil von 20% hatten, wenn ergänzend zur Chemo- und Strahlentherapie auch eine Überwärmungsbehandlung (Hyperthermie) eingesetzt wurde. Die 86 Patientinnen und Patienten konnten aufgrund des fortgeschrittenen Krebsleidens keiner erfolgversprechenden chirurgischen Behandlung unterzogen worden und erhielten eine Chemotherapie nach dem sogenannten Folfirinox-Protokoll oder mit Gemcitabin und eine sogenannte intensitätsmodulierte Strahlentherapie für die Dauer von fünfeinhalb Wochen (28 Strahlentherapiefraktionen). Die Chemotherapiebehandlung wurde nach Abschluss der Strahlentherapiebehandlung mit 8 weiteren Therapiezyklen fortgesetzt.
Für die Patientinnen und Patienten, die zusätzlich hierzu noch eine Überwärmungsbehandlung im Sinne einer Thermo-Radio-Chemotherapie erhielten, konnte der oben genannte nicht unerhebliche Zusatznutzen erzielt werden.
Datta, N. R. et al: “HEATPAC” – A phase II randomized study of concurrent thermochemoradiotherapy versus chemoradiotherapy alone in locally advance pancreatic cancer. Radiat. Oncol. 2017 Nov 21;12(1): 183.

Aufschlussreich sind auch Untersuchungen zum Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom). Bereits 2016 kam eine Übersichtsarbeit - ein sogenannter systemischer Review in dem die Ergebnisse verschiedener zuvor durchgeführter Forschungsarbeiten im Sinne einer Zusammenschau analysiert wurden – zu einem für die Kombination von Hyperthermie und Strahlentherapie günstigen Ergebnis. Analysiert wurden dabei über 217 wissenschaftliche Artikel zur genannten Thematik. In die abschließende Auswertung einbezogen wurden immerhin 8 randomisierte Versuche, die einem qualitativ aussagekräftigen Forschungsstandards entsprachen. Gefragt wurde nach kompletten Heilungen, etwaiger langjähriger lokaler Befundkontrolle, der Überlebenszeit der Patientinnen und Patientin und nach der Therapieverträglichkeit. Bei vergleichbar guter Verträglichkeit erwies sich die Kombination von Hyperthermie, Chemotherapie und Strahlentherapie in Bezug auf vollständige Heilungen und Überlebenszeit gegenüber der Behandlung ohne zusätzliche Überwärmung als überlegen. Datta, N. R. et al: Hyperthermia and radiotherapy with or without chemotherapy in locally advanced cervical cancer: A systematic review with conventional und network meta-analyses. Int. J. Hyperthermia, 2016 Nov:32(7):809-21.

Niederländische Forscherinnen und Forscher bezeichnen die Verbindung von Strahlentherapie und Chemotherapie mit der Hyperthermie aufgrund der Verbesserung des therapeutischen Nutzens als bereits etablierte Methode. Dabei spielen immer besser bekannte molekularpathologische Effekte eine Rolle. Die Überwärmung kann hierbei die körpereigenen genetischen Reparaturmechanismen unterstützen.
Van den Tempel, N., Horsman, M. R., Kanaar, R.: Improving efficacy of hyperthermia in oncology by exploiting biological mechanisms. Int. J. Hyperthermia, 2016 Jun: 32(4):446-554.

Nathalie van den Tempel, Universität Groningen, Niederlande veröffentlichte 2017 ihre hochinteressanten bislang in dieser Form unbekannten Forschungserkenntnisse zur Wirkung der lokalen Hyperthermie in Bezug auf BRCA2. BRCA2 ist eine Eiweißverbindung in Zellkernen und nimmt eine Schlüsselrolle in der Reparatur von genetischen Schädigungen ein. Die Funktion von BRCA 2 ist unter anderem die DNA-Reparatur bei sogenannten Doppelstrangbrüchen und bei der homologen Rekombination. BRCA ist verantwortlich für die genomische Stabilität von Zellen. BRCA-Defekte bedeuten Instabilität. BRCA-Mutationen bedingen ein erhöhtes Risiko zum Beispiel für die Entstehung von Bauchspeicheldrüsen-, Brust- und Eierstockkrebs. Auch Strahlen- und Chemotherapiebehandlungen führten zu BRCA-Schädigungen. Die BRCA2-Schädigung stellt, anders formuliert, sogar die Basis für die antitumoralen Wirkungen dieser Behandlungsstrategien dar. Die Hyperthermie verhindert die homologe Rekombination und verstärkt damit die antitumoralen Effekte der Strahlen- und Chemotherapie.
Van den Tempel, N.: Hyperthermia-induced degradation of BRCA2: From bedside to bench and back again. Erasmus Universität Rotterdam, 2017.

Weiterhin dürfte die Hyperthermie durch den Einfluss auf BRCA2 die Wirksamkeit einer Therapie mit sogenannten PARP-Inhibitoren verstärken. PARP-Inhibitoren sind Hemmstoffe des Enzyms Poly-ADP-Ribose-Polymerase und werden insbesondere bei Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom) nach aktueller Zulassung im Anschluss an einer Chemotherapiebehandlung zur Erhaltung des Therapieerfolges eingesetzt. Aktuell bekannte und eingesetzte Wirkstoffe heißen Olaparib und Niraparib.
Van den Tempel, N. et al: Heat-induced BRCA2 degradation in human tumours provides rationale for hyperthermia-PARP-inhibitor combination therapies. Int. J. Hyperthermia 2018 Jun: 34 (4): 407-414.

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